MOVE-it!

Nahverkehrsplanung hautnah, dies konnten die Schülerinnen und Schüler zweier Essener Bildungseinrichtungen, der Frida-Levy-Gesamtschule und des Ruhr-Kollegs, am vergangenen Dienstag bei einem Workshop der Mobilität-Werk-Stadt e.V. erleben. Diese hatte in den Räumen des Unperfekthauses zu einem Vormittag ganz im Zeichen urbaner Mobilität geladen.

Dabei erfuhren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur, wie es in Essen aktuell um die Verkehrssituation, insbesondere rund um den ÖPNV, bestellt ist und wie Taktungen und Streckenführungen in Zukunft optimiert werden sollen, sondern sie wurden im Rahmen eines sogenannten World-Cafés zu den Themen Nahverkehrsplan, den Apps „Essen mobil“ und „Mutti“ der EVAG und BOGESTRA und Kartierungen per App direkt zum Erfahrungsaustausch und zur Teilnahme an diesen Prozessen geladen und konnten so noch vor Ort erfahren, wie sich durch ihr Mitwirken und ihre Anregungen Verbesserungen in Gang setzen.

Georg Nesselhauf, Vorsitzender der Mobilität-Werk-Stadt, schilderte zu Beginn der Veranstaltung die Situation rund um die Bus- und Bahnlinien, erläuterte Gegebenheiten und neue Vorhaben. Der im Anschluss daran mit einer Schülergruppe stattfindende Workshop machte deutlich, dass es zum Teil gravierende Probleme zu den Stoßzeiten gäbe, die sich für die Schüler äußerst nachteilig auswirken würden. Die wegen Überfüllung der Busse nicht mehr angefahrene Haltestelle oder die notorisch zu spät kommenden Straßenbahn wurden dabei mehrfach genannt und auch der mangelhafte Anschluss abgelegener Essener Stadtteile an das ÖPNV-Netz spielte eine nicht unerhebliche Rolle und verdeutlichte die Notwendigkeit einer nachhaltigen Strategie für die neue Verkehrsplanung. Das Abfragen des Fahrrads als Alternative oder Ergänzung zu ÖPNV oder „Elterntaxis“ brachte zutage, dass kaum jemand in der Runde ein solches Verkehrsmittel besaß.

Vor einem sehr interessierten Plenum von Schülerinnen, Schülern sowie begleitenden Lehrkräften, wurde von den Vertreterinnen der EVAG, Frau Ute Jansen und der BOGESTRA, Frau Verena Obergfell ein Workshop zu den neuen Apps der beiden Verkehrsbetriebe angeboten, der im Anschluss an das Impulsreferat erwartungsgemäß auf ein lebhaftes Interesse stieß:

Welche Features erleichtern nicht nur das Erreichen meines Ziels, sondern bieten mir auch sinnvolle Alternativen? Welchen Service bietet eine solche App darüber hinaus? Hier wurde insbesondere die Orientierung für Ortsunkundige und das akustische Signal für Sehbehinderte hervorgehoben und in der daran anschließenden Arbeitsgruppe ganz klar die Frage nach Wünschen und Erwartungen an die Schülerinnen und Schüler gestellt. Dazu bekamen sie kleine Post-It-Blöcke in die Hand gedrückt und sollten an einem Flip-Chart ihre Antworten positionieren. Insbesondere die absoluten No-Gos in der Gestaltung einer solchen App waren von Interesse für die Verkehrsbetriebe. Es kristallisierte sich heraus, dass Viele das Platzieren von Werbung nicht tolerieren würden.

Der von Manfred vom Sondern moderierte Workshop zum Thema Kartieren mit Karten-Apps ließ keine Schülerwünsche unberücksichtigt – auf großen Plakaten wurden Ideen zu sogenannten „Points of Interest“, also besonders sehenswerten oder wichtigen Orten in Essen, gesammelt. Dabei stellte sich heraus, dass das Thema „Wo kann man gut essen gehen?“ und „Sportplätze“ einen wichtigen Stellenwert im Leben und zukünftig eine Markierung auf der Karte darstellen werden. Denn die Schülerinnen und Schüler werden in einem weiteren Schritt im Rahmen dieses Projektes konkret diese Orte benennen und kartieren, und auch eine über diese Schulveranstaltung hinausgehende Vereinbarung trafen einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Tag: Gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben werden sie an der Weiterentwicklung der App arbeiten. Ein voller Erfolg für Veranstalter und die beteiligten Schulen mit nachhaltigem Mehrwert ging so nach sechs Stunden zu Ende. Im September 2017 sind dann die Ergebnisse aus der Schülerbeteiligung zu erwarten.